Alpencross 2015

Beim Alpencross ging es für das Team Alpecin in 4 Etappen über fast alle Berge. Über eines der großen Rennradabenteuer berichtet Team Alpecin-Jedermann Matthias Bröker.

Der Alpencross im Team Alpecin oder anders ausgedrückt: Der wohl härteste aber auch schönste Muskelkater meines Lebens.
Aber alles der Reihe nach: An einem schönen Sommertag traf sich das Team Alpecin am Starnberger See. Mit dabei war dieses Mal Mario Kummer, Olympiasieger und früherer Weltklasse-Rennradfahrer. Er hat die Route bis nach Kaltern am See geplant und einige Bergriesen in die Tour eingebaut. Nach einem ersten Kennenlernen und Einrollen am Donnerstag fuhren wir auf der ersten Etappe nach Mayrhofen im Zillertal. Auf der Strecke sind wir an einigen Seen entlang gefahren und hauptsächlich „wellig“ (Mario nutzte das Wort für jeden noch so steilen Anstieg) unterwegs gewesen. Doch das sollte sich am nächsten Tag schlagartig ändern, denn bei Etappe zwei stand bei wechselhaftem Wetter neben dem Gerlospass kein geringerer Berg als der Großglockner mit 33 Kilometern und knapp 2000 Höhenmetern auf dem Programm. Mit jedem Höhenmeter wurde es kälter und regnerischer. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, über zwei Stunden am Stück einen Berg hochzufahren. Der Großglockner war aber aufgrund einer relativ gleichmäßigen Steigung vergleichsweise angenehm zu fahren. Oben angekommen zogen wir uns eine Jacke für die Abfahrt über und fuhren Richtung Lienz. Auf dem Weg dorthin fuhren wir dann hauptsächlich wieder in welligem Terrain. Abends im Hotel hieß es dann wieder, die Kohlenhydratespeicher aufzufüllen und früh schlafen zu gehen, weil am Sonntag die Königsetappe mit 4500 Höhenmetern anstand. Im Hotelbett habe ich dann auch einen leichten Muskelkater verspürt, der sich in den nächsten Tagen noch in einen ausgewachsenen Muskelkater ausdehnen sollte.
Am Tag der Königsetappe schien die Sonne und wir versuchten, beim Frühstück soviel wie möglich zu essen. Am diesem Tag standen die Highlights Monte Zoncolan und Passo Tre Croci Richtung Cortina d’Ampezzo auf dem Programm. Dazu war es durchgehend „wellig“ mit immer mal wieder ein paar hundert Höhenmetern am Stück. Die absolute Krönung war in jedem Fall der Monte Zoncolan. Mit 1200 Höhenmetern auf gut 14 Kilometern ist das wahrlich ein harter Anstieg. Nach relativ flachen ersten Kilometern konnte ich die folgenden acht Kilometer relativ rhythmisch bei 6 bis 15 Prozent Steigung fahren. Nach elf Kilometern standen dann ungefähr 700 Höhenmeter auf dem Pioneer-Leistungsmesser, und genau das war das Problem. Es folgten weitere drei Kilometer mit unfassbaren 500 Höhenmetern. Ich konnte den Berg fast ausschließlich im Wiegetritt bei einer extrem niedrigen Trittfrequenz fahren, da einige Abschnitte bis über 25 Prozent Steigung aufwiesen und ich im Sitzen wohl hinten rübergefallen wäre.

Die Oberschenkel brannten extrem, der Puls raste und der Schweiß tropfte bei 30 Grad und Sonne nur so vom Körper auf den heißen Asphalt.

Das waren definitiv die längsten und anstrengendsten 3000 Meter meines Lebens! Oben angekommen machte sich bei mir eine Stimmung aus völliger Erschöpfung und Stolz breit, diesen Wahnsinnsberg ohne abzusteigen bezwungen zu haben. Die Abfahrt war mit ihren engen Kehren und durchgängig über 15 Prozent Gefälle auch ein echtes Highlight, bei dem man aufgrund der engen, schlecht einsehbaren Kurven extrem aufpassen musste. Direkt nach der Abfahrt stand der nächste „Hügel“ mit 600 Höhenmetern auf de Programm, ehe es über den Passo Tres Croci Richtung Cortina. Bei den Anstiegen war ich dann schon sehr erschöpft und quälte mich vom Tag gezeichnet die Berge hoch. Unsere Betreuer Philipp und Lude unterstützten uns wo sie konnten und aus unserem Begleitfahrtzeug wurden uns immer wieder Getränke und Essen gereicht. Trotz der körperlichen Qualen konnte man zwischendurch immer wieder die traumhaften Panoramen der Dolomiten genießen. Nachdem wir uns dann den letzten der knapp 4500 Höhenmeter hochgequält hatten, konnten wir eine mal wieder traumhafte Abfahrt nach Cortina genießen. An dem Abend konnte man allen Alpecinis die Anstrengungen der letzten Tage anmerken, die Beine wurden schwerer und nach dem Abendessen verschwanden alle schnell auf ihren Zimmern. Als Abschluss des Trips stand dann am nächsten Morgen mal wieder viel viel essen auf dem Programm, ehe es dann zum warm werden direkt 1000 Höhenmeter über den Passo di Giau ging. Nach drei anstrengenden Etappen in den Beinen fiel mir der erste Anstieg sehr schwer, aber nach einer halben Stunde lockerten sich die Beine ein wenig und ich konnte den Berg relativ rhytmisch hochfahren. Als nächstes stand mit dem Passo Fedaia nochmal ein richtig brutaler Anstieg auf dem Programm. Nach anfänglich humanen Steigungen ging es dann auf der Höhe des Skiresorts richtig hart zur Sache. Eine zwei Kilometer lange Gerade mit durchgängig zweistelligen Steigungsprozenten war wirklich zermürbend. Auf den letzten zwei Kilometern folgten dann zahlreiche Serpentinen mit knackigen 15-20 Prozent Steigung in der Spitze. Insbesondere an diesem Pass fragte ich mich immer wieder bewundernd, wie Radprofis solch eine Belastung über drei Wochen aushalten können, unglaublich!
Nach der darauf folgenden Abfahrt passierten wir noch den Karer Pass, ehe es dann ins wunderschöne Kaltern am See ging.
Abends gingen wir dann noch Pizza essen und ließen den unvergesslichen Trip gemütlich ausklingen.
Nach den vier Etappen standen über 600 Kilometer und über 12000 Höhenmeter zu Buche. Das Ergebnis waren in jedem Fall sehr schwere Beine, aber auch traumhafte Eindrücke in einmaliger Landschaft und die Erkenntnis, dass insbesondere das stundenlange Bergfahren extreme Kopfsache ist. Gleichzeitig wuchs meine Bewunderung für Radprofis, die sich auf den großen Rundfahrten teilweise wochenlang schinden und praktisch nur schlafen, essen und Rad fahren.
Der Alpencross war eine wunderbare, perfekt organisierte Veranstaltung und hat mich mit Hinblick auf den Ötztaler ein großes Stück voran gebracht.