Amstel Gold Race: Auf den Spuren der Profis

Über den Frühjahrsklassiker für Jedermänner berichtet Teamfahrer Udo Tanger.
Mit dem Amstel Gold Race im niederländischen Valkenburg/Niederlande stand für mich das erste Event des Team Alpecin auf dem Programm. Drei weitere Kollegen aus dem Team 2015 standen ebenfalls am Start. Gebucht war die 150 Kilometerstrecke mit ca. 1800 Höhenmetern. Mit dabei auch unser Sportlicher Leiter Jörg Ludewig, der ein besonderes Auge auf uns werfen sollte. Das stand fest. Ich gehe jedoch kurz einige Tage zurück:

Nach der grandiosen Kick Off-Veranstaltung in Bielefeld und dem Trainingslager am Kalterer See in Südtirol hatte ich noch ca. zwei Wochen Zeit, um meinen Motor auf das bevorstehende Rennen zu tunen. Bisher lief er ja noch mit bescheidenem Diesel. Mit den vielen Tipps der Trainer, den Erkenntnissen der Leistungsdiagnostik und der Motivation aus Kaltern hatte ich die Hoffnung aus dem Selbstzünder einen agileren Fremdzünder zu machen ;-)
In der verbleibenden Zeit entschied ich mich für die vernünftige Variante „lockeres Training“ und vorwiegend „GA1-Einheiten“ fahren. Hoffentlich die richtige ..

Anreisetag war der Freitag vor dem Rennen. Mit einer sonnigen und lockeren Streckenbesichtigung mit Ziel auf dem Cauberg wurde schon mächtig Stimmung inhaliert.
Nach dem leckeren Abendessen (Nudeln mit Sauce) im Hotel gab es dann die ersten Anweisungen und Tipps von unserem Ex-Profi Jörg Ludewig, ab jetzt gebührend „Lude“ genannt!

Samstag um 5.30 Uhr aufstehen, Frühstück, hektisch „Geschäfte“ erledigen, ausgewählte Kleidung anziehen und um 7.00 Uhr mit dem Rad zum Start radeln.
Am Start gab es noch einige Fotosessions und Interviews mit dem engagierten Filmteam.
Nun konnte es langsam losgehen und die Anspannung stieg. Lude stimmte uns ein und gab die Empfehlung: „Wir fahren in der Gruppe los und dann fährt jeder sein Tempo. Habt viel Spaß und kommt heil im Ziel an, dann ist alles ‚safe‘“.

Also starteten wir um 7.47 Uhr bei kalten 4 Grad und bestem Sonnenschein. Lude fährt vorweg und ich hinterher. Nicht MEIN Tempo, das stand relativ schnell fest. Aber ich wollte nicht so früh abreißen lassen. Also Zähne zusammenbeißen, Blick auf Ludes Hinterrad und alles vergessen, was ich bisher über Renntaktik dachte, gelernt zu haben.
In Ludes Windschatten wurden gefühlt alle anderen 15 000 Starter zügig und ohne zu verschnaufen überholt. Ab hier war klar, der Leistungsmesser mit seiner Anzeige in Watt spielt heute keine große Rolle. Zumindest nicht in Form von cleverer Trainingskontrolle. Heute ist hoher Puls und Sauerstoffschuld zu erwarten. Für Lude wahrscheinlich eher GA1-Einheit.

Ich konnte sehr gut die Fahrweise von Lude beobachten und kam dadurch auch immer mehr meinem eigenem Tempo näher. Als die ersten Anstiege kamen hab ich mich dann doch auf eine kontrolliertere Fahrweise besonnen. Ansonsten würden die Kräfte nicht bis ins Ziel reichen, da war ich mir sicher. Ich bin die Steigungen dann in kleinen Gängen gefahren und habe mich auch an die Trittfrequenz meines „Lehrers“ orientiert. Also hohe Frequenz und gleichmäßig hoch. Nun auch mit Blick auf die Wattzahl im Display (die Zahl 400 war trotzdem noch öfter zu sehen) des Pioneer Computers. Die Bestätigung kam dann auch prompt von Jörg. „ Genau so Udo, leichte Gänge, gleichmäßig hoch und Kräfte einteilen.“ Gelernt habe ich auch, dass man die Anstiege bis 5 Meter hinter der Kuppe fährt und nicht vorher rausnimmt. So kann man einiges an Zeit sparen. Bisher war dies von mir nicht wirklich beachtet worden.

Inzwischen hat sich noch ein netter Holländer Namens Peter zu uns gesellt und wir haben meistens zu dritt Tempo gemacht. Wobei ich glücklicherweise von der Führungsarbeit im Wind befreit wurde. Das war auch gut so, denn das wäre dann wohl ordentlich langsamer geworden.
Die erste Verpflegungsstelle haben ich ausgelassen. Jörg und Peter wollten die Flaschen auffüllen. Ich sollte locker weiterfahren und auf sie warten. Jawohl, endlich locker radeln und ein wenig ausruhen. Bis der Wagen mit dem Kamerateam kam. Die wollten mich nun filmen. Bei dem Tempo? Das sieht doch voll unsportlich aus, dachte ich mir. Also wieder Fahrt aufnehmen und wieder Druck aufs Pedal! Hat aber auch ordentlich Spaß gemacht, das spornt richtig an!!
Fühlen sich Profis auch so??

Mittlerweile hatte Lude wieder aufgeschlossen und es ging noch einige Zeit mit dem Kamerateam weiter. Nun hieß es gute Figur machen, locker gucken und schnell fahren.
Wellig ging es weiter bis zur zweiten Verpflegungsstation, wo ich mir noch meine Flaschen auffüllte und mir eine Waffel für alle Fälle eingepackt habe.

Jörg riet mir noch genügend zu essen, damit nicht noch kurzfristig der Stecker gezogen wird. Den Fehler habe ich früher auch öfter gemacht, zu wenig gegessen und viiiel zu wenig getrunken. Auch das konnte ich gut bei Lude beobachten, wann und wie oft er sich Nahrung zuführt. Auch hat er mir geraten, nicht an Anstiegen zu essen, sondern eher im Flachen.

Als nächstes noch die Wand vom Keutenberg und weitere Wellen bezwingen und mit den gut eingeteilten Kräften über den stimmungsvollen Cauberg ins Ziel fahren. Völlig zufrieden und erleichtert wurden dann gleich mal eine Tüte holländische Frites genossen :-)

Insgesamt ein für mich tolles Rennen, bei dem ich sehr viel vom „Meister“ gelernt habe. Einerseits von den vielen Tipps die er mir gegeben hat, andererseits durch einfaches beobachten.

Und Spaß hat es mit Ihm auch noch gemacht :-) Was will man mehr?