Claudia Beitsch berichtet über Rhön Rad-Marathon

Mein „erstes Mal“.
Bekanntlich ist man vor dem ersten Mal ja ziemlich aufgeregt. Man malt sich so aus, wie es sein könnte, aber wirklich wissen tut man es erst, wenn man es selbst erlebt hat.
Also lautete mein Motto beim Rhön-Radmarathon in Bimbach: Augen zu und durch – ohne groß drüber nachzudenken.
170 Kilometer und 2600 Höhenmeter standen am Pfingstsonntag auf dem Programm und wollten von mir bezwungen werden. Das längste, was ich am Stück bisher gefahren bin, waren so an die 80 bis 90 Kilometer – über die Höhenmeter wollen wir erst gar nicht reden. Aber irgendwann muss man ja mal anfangen diese zu sammeln, wenn man als Rennrad-Rookie den Ötztaler Radmarathon und den Endura-Alpen-Traum fahren will.
Fragen über Fragen schwirrten vor der Premiere in meinem Kopf herum. Was ziehe ich an, um dem wechselhaften Wetter zu trotzen? Wie viele Gels nehme ich mit? Wie komme ich aus der Nummer mit der ersten Startreihe wieder raus? Ich wollte schließlich nicht gleich beim Start von knapp 1000 Rad-Verrückten überrollt werden. Ja und dann noch – wie soll ich 170 Kilometer auf meinem Allerwertesten überstehen? Der tut sonst schon nach 80 weh. Respekt gepaart mit einem mulmigen Gefühl machte sich am Vorabend breit. Und das war auch noch da, als Sonntag früh um vier Uhr der Wecker klingelte. An Essen war eigentlich nicht zu denken, aber ich quälte mir eine Banane und ein Nutella-Brot rein. Ich zog meine Klamotten an, die ich mir Samstag fein zu Recht gelegt hatte, stopfte meine Taschen mit Gels voll und füllte meine Trinkflaschen. Luft wurde nochmal kontrolliert und kurz nach 5 Uhr ging´s zum Startgelände. Dort war hektisches Treiben und ich versuchte meine Nervosität ganz cool runter zuspielen: Ich war einfach still und tat so, als ob ich noch müde wäre.
Beim Start positioniere ich mich ganz links und hoffte nur noch, gut in meine Klickpedale zu kommen und ohne Sturz loszufahren. Wie in Trance wartete ich auf den Startschuss und dann ging´s endlich los: 10, .9, .8... Start.. Ich kam in meine Pedale und strampelte los Immer Linda hinterher – Team-Partnerin meines Vertrauens und absoluter Geheimtipp für die letzten 50 Kilometer.
Ich war so erleichtert, dass ich den Start heil überstanden hatte. Mir waren im Moment die nächsten 169 Kilometer egal. Das werde ich auch noch hinbekommen
Die Wolken, die Kälte und der Nebel begleiteten uns die ersten 3 Stunden. Alle anderen schossen nur so an uns vorbei, was uns aber nicht weiter störte. Plötzlich aus dem Nichts radelten wir in die Sonne, als ob sie nie etwas anderes getan hätte an dem Tag. Das beflügelte uns und wir merkten gar nicht, wie die Kilometer und Höhenmeter nur so verrannen. An den verschiedenen Kontrollpunkten gab es jede Menge köstliche Speisen und Getränke und hier und da trafen wir die Alpecinis, die auf den anderen Strecken unterwegs waren. Gegen Ende hin und viele Gesprächsthemen später zündete Linda den Turbo. Wir schwebten die letzten 50 Kilometer nur so über den Asphalt und ließen so manche Männer am Berg hinter uns. Rund10 Kilometer vorm Ziel kam eine schnelle Gruppe an uns vorbei und Linda hängte sich gekonnt dran...Puuuh, da musste ich dann doch nochmal die Zähne zusammenbeißen und hätte auf gut Deutsch gesagt kotzen können. Ich schaute ständig auf den Tacho:165 ...166...167 Kilometer. Am letzten Hügelchen vorm Ziel hab ich abreißen lassen. Ich kam einfach nicht mehr hinterher. Mein rechter Oberschenkel meldete sich und ich dachte mir, dass ich den Rest auch allein schaffe. Mir blieb ja nix anderes übrig. Im Ziel wurde ich von Linda und einer Laola-Welle der Mitarbeiter begrüßt. Ich hatte es tatsächlich geschafft und ich bin immer noch ganz stolz drauf. Mein erstes Mal hat nicht mal weh getan. Ach ja... DANKE LINDA MEINE HEISSDÜSE.

roehn