Ein Teilnehmer berichtet zum Trainingslager

Was erwartet uns wohl in unserem Trainingslager? Diese Frage stelle ich mir, als am Mittwochmorgen um 03:00 Uhr der Wecker klingelte. Trotz der frühen Uhrzeit war ich recht aufgeregt über das, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Nicht zu Unrecht, wie ich erfahren sollte.

Als wir gegen Mittag im Hotel ankamen, wartete bereits Jan Ullrich auf uns, im Schlepptau ein Fernsehteam von Sky. Sie machten ein kurzes Interview mit Jan Ullrich, das Team Alpecin im Hintergrund. Wow, ich kam mir vor wie ein Fernsehstar. Dann ab zur ersten Ausfahrt. Eine kurze Runde mit einem Begleitfahrzeug, aus dem wir stetig aus den unterschiedlichsten Posen fotografiert wurden. So müssen sich die Radsportprofis bei der Tour fühlen, nur die Hubschrauber fehlten. Die Beine waren gut, tolles Wetter, nach dem schlechten Winter und dem katastrophalen Frühlingsbeginn, Balsam für das Radlerherz. Es konnte gar nicht besser werden, dachte ich zumindest.

Abends ging es dann zur ersten Teambesprechung mit unseren Trainern und Verantwortlichen. Ich kann nur sagen ein toller Spirit, der von allen Beteiligten ausgeht. Am nächsten Morgen ab zum Core-Training, also die Kräftigung der Rumpfmuskulatur. Ich wusste gar nicht, dass man so etwas trainieren kann, und da war ich aber nicht der Einzige. Am nächsten Tag, als wir das Training nochmals mit Fotografen absolvierten, war ich mir sicher, dass man davon sogar Muskelkater bekommen kann. Und das an Körperstellen, bei denen ich mir bisher nicht bewusst war, dass man dort überhaupt Muskeln besitzt. Stefan Zelle und Tim Böhme – unsere Teamtrainier – waren recht hartnäckig, was die Umsetzung der Übungen anging, obwohl der ein oder andere Teilnehmer erhebliche Koordinierungsprobleme bei der Umsetzung der Übungen hatte. Bedauerlicherweise war ich einer davon. Schnell hat sich aber herausgestellt, dass das Rumpftraining für alle Teilnehmer eine wichtige Ergänzung des Radtrainings ist.

Danach, wie jeden Morgen, ab zum Radservice, Schaltungen wurden eingestellt, Sättel individuell getauscht, Schläuche gewechselt, Zahnkränze auf die individuellen Bedürfnisse angepasst. Zum Teil haben die Mechaniker bis 02:00 Uhr morgens für uns gearbeitet. Diesen Service hätte ich auch gerne zu Hause.

Dann kam der wichtigste Teil des Trainingslagers, das Fotoshooting. Ich weiß nicht, wie häufig wir an verschiedenen Stellen die Bilder wiederholen mussten. Unserem Fotografen war es nie beim ersten Mal gut genug. Der geflügelte Satz war: "Es war schon recht gut, nur einmal noch". Das war kein Garant, dass der nächste Schuss saß. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht, mit professionellen Fotografen zu arbeiten. Die ersten Bilder haben mich absolut beeindruckt. Einige davon können bereits auf Facebook betrachtet werden.

Zwischen den Shootings wurden wir in die Trainingseinheiten auf dem Rad eingewiesen und konnten diese ausreichend üben. Jetzt weiß ich, was 30/30, 6/24 und K3 bedeutet. Spätestens bei der Vorstellung der Trainingsmethodik durch Tim und Stephan wurde mir bewusst, dass ich diese Bezeichnungen noch verfluchen werde. Aber vielleicht wird es doch nicht schlimm wie befürchtet.

Am Samstag kam für mich der emotionale Höhepunkt des Trainingslagers: Die Vorstellung des Team gemeinsam mit Jan Ullrich auf dem RoaBIKE-Festival. Endlich eine längere Ausfahrt von knapp 70 km, dann auf der Bühne des Festivals. Mehrere Hundert Zuschauer vor der Bühne, ein Moderator, der die Sponsoren und einzelne Teammitglieder befragte. Ständig wurden wir von Zuschauern gefilmt und fotografiert. Ich dachte mir nur: „Ich glaub ich bin ein Star und holt mich auf keinen Fall hier raus.“ Dann noch die Rückfahrt inklusive Kaffee-Stopp in einer kleinen Gruppe mit Jan Ullrich und unserem Sportlichen Leiter Jörg Ludewig. Als Teamkollege Matthias und ich im Wind fuhren, wurde mir bewusst, dass wir mal eben zwei ehemalige Radsportprofis in unserem Windschatten ziehen. Das ist mir so auch noch nicht passiert. Die beiden haben es übrigens geschafft an uns dran zu bleiben, ein Zeichen für ihre gute Kondition (oder meine schlechte...).

Am Sonntag waren die Fotoshootings beendet, wir haben uns der Fahrtechnik gewidmet. Als wir unsere Kurventechnikübung auf San Salvador hatten, bei der ich extrem viel lernen konnte, kam zufälligerweise Marcel Wüst vorbei. Er nahm sich die Zeit uns einige Tipps zu geben. Lude fuhr die Kurven, Marcel kommentierte. Also runter kommen wir die Berge beim Ötztaler und Endura Alpen-Traum auf jeden Fall schneller, wir müssen sie nur noch irgendwie hoch kommen. Abends gab es dann die Teamfete, hierbei zeigte sich dann, dass die Truppe nicht nur auf dem Rad eine gute Figur macht.

Am nächsten Tag war leider alles vorbei. Ein letztes gemeinsames Frühstück. Aber wir haben alles erreicht: Das Team hat sich gefunden, die Basis für das Training ist gelegt, weitere gemeinsame Trainingslager und Renneinsätze wurden abgestimmt. Ich bin sicher, dass wir das Fundament für eine erfolgreiche Saison gelegt haben. Jetzt liegt es an jedem, den Trainingsplan konsequent umzusetzen und hart an seinen Zielen zu arbeiten. Aber so wie ich alles im Team jetzt kennen lernen konnte, bin ich zuversichtlich, dass jeder sein Bestes geben wird und seine gesteckten Ziele erreichen wird. Ötztaler, wir kommen!!!