Team Alpecin-Jedermann Oliver Koch bloggt über den Saisonauftakt

Nächste Ausfahrt Bielefeld!
Alles begann mit einem harmlosen Anruf an einem Sonntag im März und endete mit feuchten Augen und vielen Glückshormonen. Aber alles schön der Reihe nach.

Als mich Daniel Beck an besagtem Sonntag bei der Arbeit anrief, stockte mir der Atem und mein Herz schlug bis zum Hals.

„DU BIST DABEI“ sagte er, Worte, die mein Leben verändern sollten.

Erster Termin des großen Abenteuers TEAM ALPECIN war das Teamtreffen in der Hauptstadt für schöne und gesunde Haare namens Bielefeld. Die Tage vor dem ersten Kennenlernen der neuen „Familie“ waren noch sehr entspannt und geprägt von Vorfreude und gesundem Selbstbewusstsein. Dies sollte sich aber schlagartig ändern, als das Navigationsgerät des Autos mit einer lieblichen weiblichen Stimme folgende Worte in den Innenraum hauchte: „nächste Ausfahrt Bielefeld.“ Verflogen waren Vorfreude, Selbstbewusstsein und Euphorie. Stattdessen überkamen mich Angst, Panik und feuchte Hände. Fragen wie: „Warum tust du dir das an, kann ich noch umdrehen und warum falle ich nicht tot um?“, schossen mir durch den Kopf. Dass all diese Ängste unbegründet waren, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Bei Betreten des Gebäudes der Firma Alpecin lief mir zuerst Jörg Ludewig über den Weg und ich dachte mir nur:

„Sch..., den gibt es ja wirklich!“

Nachdem der erste Schock verdaut war, wurden wir von verschiedenen Vertretern der jeweiligen Sponsoren begrüßt und bei einer kleinen Vorstellungsrunde durfte jeder von uns das Sprechen in ein Mikrophon üben.
Als Giant dann unsere Teamräder präsentierte, begann das Leuchten und Funkeln in den Augen ALLER und dies sollte sich bis Sonntagnachmittag nicht mehr legen. Wie sagte es mein neuer Teamkollege Daniel Pfau so schön: „Das ist wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Geburtstag zusammen.“ Als wir schließlich an den „Gabentisch“ gebeten wurden, habe ich den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu bekommen. Material, Material, Material und alles nur vom Feinsten. Teile, die eigentlich John Degenkolb und Marcel Kittel vorbehalten sind, durfte ich jetzt anfassen und sogar mit nach Hause nehmen.

Den Rest des ersten Tages versuchte ich, meine Euphorie im Zaum zu halten, um nicht jedem, der mir über den Weg lief, vor lauter Freude um den Hals zu fallen. Meine Freude sollte sich aber bald in blankes Entsetzen umkehren, als es hieß: „DU bist der Nächste, der zur Leistungsdiagnostik antreten darf.“ Jeden anderen Satz hätte ich in diesem Moment lieber gehört, EGAL welchen. Sie hätten zum Beispiel sagen können: „Oliver, du hast nen Popel an der Nase und das schon seit heute Morgen“, aber nein, ich vernahm nur das Wort LEISTUNGSDIAGNOSTIK. Um die erbrachte Leistung richtig einordnen zu können, muss man sie in Relation zu seinem Körpergewicht setzen und als ich da auf der Waage stand, hat mich endgültig der Schlag getroffen. Acht bis zehn Kilo mehr als im Sommer und einen Körperfettanteil, mit dem ich locker Werbung für Deutsche Markenbutter machen könnte. Aber es half ja nichts, denn Stefan Zelle vom Radlabor, bekannt als der Schleifer von Frankfurt (gegen den ist Felix Magath ein Waisenknabe) wartete schon auf mich, um mich höflich, aber bestimmt auf den SRM-Ergometer zu bitten. 35 Minuten und gefühlte 2000 Stiche ins rechte Ohr später war der Test auch schon fast vorbei. Fehlte nur noch ein Sprinttest, bei welchem man seine restlichen Körner, sofern man noch welche hatte, innerhalb von fünf Sekunden verpulvern konnte. Ich hatte das große Glück, dass sich für den Sprint der Kameramann angemeldet hatte, um mein Leiden ins rechte Licht zu rücken. Voller Ehrgeiz trat ich in die Pedale und versuchte dabei, noch einigermaßen freundlich und filmreif auszusehen. Die 5 Sekunden waren geschafft und als sich die Sternchen vor meinen Augen verzogen hatten, sah ich voller Entsetzen, dass der Kameramann zwar vor mir stand, aber in eine völlig andere Richtung blickte. War ich etwa so lange bewusstlos und nicht Herr meiner Sinne, oder hatte er einfach gar nicht gemerkt, dass es schon los geht? Als er sich dann umdrehte und zu mir sagte: „Uuuups, war‘s das schon, hab ich gar nicht mitbekommen, kannst du das vielleicht nochmal machen?“, wusste ich, das letzteres der Fall war.

Nach einer Dusche und einem sehr feinen, aber für mich nur kleinem Abendessen wurde noch mein neues Arbeitsgerät von Giant angepasst und gegen 21 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Hotel, um dort die ganzen Eindrücke des Tages im Schlaf zu verarbeiten.

Der zweite Tag war geprägt von Fototerminen, Filmaufnahmen und sehr interessanten Vorträgen über die Geschichte der Firma Alpecin und deren traditionsreichem Engagement im Radsport.

Bei einer Abschlussbesprechung mit dem gesamten Team wurden uns zu guter Letzt die Saisonziele und nächsten Events vorgestellt und ein Ausblick auf das nächste Highlight wie das Trainingslager in Kaltern am See gewährt.

Mit vollen Taschen im Auto und vielen positiven Eindrücken im Kopf machte ich mich auf den Weg Richtung Heimat. Beim Überqueren des Ortsschildes BIELEFELD sagte ich zu mir: „Nächste Ausfahrt Bielefeld, kein Problem!“