Team Katusha Alpecin Sportdirektor Torsten Schmidt im Interview

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Torsten Schmidt …

… über die Frühjahrsklassiker
Die Rennen im Frühjahr sind nicht so verlaufen, wie wir uns das erhofft hatten. Aber so ist eben der Sport. Es ging aber in den vergangenen sechs Jahren immer stetig bergauf, da kommt dann auch mal ein Jahr wie 2017, in dem es nicht ganz so optimal läuft. In der Vergangenheit ist alles rund gelaufen, dieses Jahr hatten wir Defekte und Stürze in den ungünstigen Momenten, dieses Schicksal ereilte uns in den vorigen Jahren nicht. Und: Bei dem einen oder anderen Rennen sind wir auch sportlich abgehängt worden, aber das ist Leistungssport und gehört eben einfach auch dazu. Es kann einfach nicht jedes Jahr besser werden als das vorherige.
Wir sind aber auf dem richtigen Weg; das hat der Sieg in Frankfurt durch Alexander Kristoff und die geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt. Das Team hat das Rennen kontrolliert und dann auch das I-Tüpfelchen gesetzt. Der Sieg in Frankfurt war ein toller Sieg zur richtigen Zeit. Gerade in Deutschland - mit unseren deutschen Sponsoren Alpecin und Canyon.

… über den Giro d'Italia 2017
Ilnur Zakarin ist unser Mann fürs Gesamtklassement. Er hat bereits im vergangenen Jahr bis zu seinem Sturz auf der 19. Etappe gezeigt, dass er sehr gut mit den besten Fahrern mithalten kann. Er ist sehr motiviert und hat natürlich auch noch eine Rechnung offen aus dem vergangenen Jahr. Mit seinen Fähigkeiten und seiner Motivation sollte er das Podium anpeilen. Dafür bekommt er auch die volle Unterstützung des Teams.
Ilnur ist ein cleverer Fahrer und besitzt eine gute Rennintelligenz. Ich persönlich glaube, dass die letzte Woche beim Giro wie immer brutal wird. Und daher ist es wichtig, in den ersten zwei Wochen die Körner zusammenzuhalten. Wir werden als Team jetzt nicht um jeden Preis auf jeder Etappe auf einen Tagessieg aus sein. Wenn sich natürlich die Chance ergibt und Ilnur ist mit anderen Favoriten an der Spitze, dann wird er natürlich die Chance zum Sieg suchen.
Die beiden langen Zeitfahren sehe ich nicht als großes Problem an. Zeitfahren in einer Rundfahrt, wenn die Fahrer schon etwas müde sind, unterscheiden sich komplett von einem Einzelwettbewerb wie bei den Weltmeisterschaften bzw. Olympischen Spielen. Natürlich ist er kein Spezialist wie bspw. Tom Dumoulin, aber Ilnur weiß genau, wie er so etwas anzugehen hat.

… über die jungen Fahrer im Team
Wir sind sehr zufrieden mit den jungen Fahrern wie Mads Würtz Schmidt, Jenthe Biermans, Nils Politt, Rick Zabel und Marco Mathis, die bei den Frühjahrsklassikern tolle Leistungen gebracht haben. Nicht zu vergessen der Kolumbianer Jhonatan Restrepo, der zu Beginn des Jahres in Australien gleich Spitzenplatzierungen eingefahren hat. Da hat das Management die richtige Entscheidung bei der Verpflichtung dieser Fahrer getroffen. Alle diese Jungs bringen Kapital mit. Dem können wir von der Sportlichen Leitung und dem Trainer-Team jetzt mit Ruhe und Respekt entgegentreten und ihnen die Zeit geben, sich zu entwickeln. Die Jungs zahlen das Vertrauen ja auch direkt zurück entweder als Helfer bei den Klassikern oder jetzt auch mit dem zweiten Platz von Rick Zabel beim WordTour-Rennen in Frankfurt.

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… über die Tour-de-France-Vorbereitung
Die Tour Vorbereitung beginnt jetzt nach den Klassikern und einer Pause im Endeffekt ab Mitte Mai; unterscheidet sich aber von Fahrer zu Fahrer. Mit einigen Profis werden wir jetzt in die USA zur Tour of California fliegen, dort sind Etappensiege unser Ziel. Mit dabei sind Fahrer wie Alexander Kristoff und Rick Zabel.
Die Tour of California ist etwas Besonderes für die Teams; zum einen ist es jetzt durch seinen WorldTour-Status in sehr wichtiges Rennen, bei dem sich die Fahrer auch zeigen wollen; zum anderen freuen sich gerade die jungen Fahrer darüber, dorthin zu fliegen. Man merkt das schon an einer gewissen Vorspannung. Da wird sich vorab schon extrem darüber ausgetauscht. Nur ein Beispiel: Nach dem Sturz von Marco Haller bei der Tour of Yorkshire haben wir Marco Mathis für Kalifornien nominiert. Als ich ihm das mitgeteilt habe, habe ich den Glanz in seinen Augen gesehen – für so junge Fahrer die noch nie in de USA Rennen gefahren sind, ist das schon etwas sehr Besonderes.
Tony Martin fährt zur Vorbereitung beispielsweise die Belgien-Rundfahrt, mit der er schon sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Er gewann dort bereits drei Mal. Danach folgen das Criterium du Dauphiné in Frankreich beziehungsweise die Tour de Suisse – und dann geht es ja schon los in Düsseldorf.

… über die Tour de France 2017
Die neun Mann, die die Tour de France bestreiten, werden wir erst in den letzten Tagen der Tour de Suisse bekanntgeben. Kein Geheimnis und gesetzt sind Tony Martin und Alexander Kristoff. Tony will das Einzelzeitfahren in Düsseldorf gewinnen und so auch gleich Gelb holen. Alexander ist unser Mann für die Sprintentscheidungen. Da wir mit keinem Kapitän fürs Gesamtklassement in die Tour gehen, werden wir uns weitere Etappen herauspicken, die für Tony oder die anderen Fahrer interessant sein können. Unsere jungen deutschen Fahrer wie Nils Politt und Rick Zabel dürfen sich zurecht Hoffnungen machen, bei der Tour de France 2017 dabei zu sein. Sie haben bislang wie all unsere jungen Fahrer starke Leistungen im Frühjahr gezeigt. Für einen Fahrer ist eine Tour-Teilnahme immer etwas Besonderes, zumal wenn die Tour dann auch noch im Heimatland bzw. im Heimatbundesland – sowohl Zabel als auch Politt kommen aus Nordrhein-Westfalen – beginnt.